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F&A mit Ausdauerradsportler Mark Beaumont

Hayley Orr - Kommentare ansehen

Was denkt ein Rekordsportler so? Wir stellen Langstreckenradfahrer und Super-Ausdauer-Abenteurer Mark Beaumont 10 Fragen, während er sich auf das Artemis World Cycle vorbereitet. Das ist ein Weltrekordversuch, bei dem er in 80 Tagen um die Welt fahren möchte. Start ist am Sonntag, den 2. Juli 2017 in Paris.

Mark Beaumont auf seiner Fahrradtour durch Großbritannien © Mark Beaumont/Muckle Media

Um dieses große Ziel zu erreichen, wird Mark mehr als 380 km pro Tag fahren. Das entspricht unglaublichen 16 Stunden auf seinem Rad. Der aktuelle Rekord für eine Fahrt mit dem Fahrrad um die Welt liegt bei 123 Tagen. Wenn alles nach Plan läuft, wird Mark diesen Weltrekord um mehr als 40 Tage unterbieten.

Lesen Sie weiter, um mehr über den Artemis World Cycle, Marks Leben in Schottland und seine Liebe für das Fahrradfahren zu erfahren:

1. Erzählen Sie uns von Ihrer letzten Herausforderung …

Verlauf des Artemis World Cycle © Artemis World Cycle

Der Artemis World Cycle ist ein Versuch, in 80 Tagen ab Paris um die Welt zu fahren, und beginnt am 2. Juli. Dieser offizielle Versuch auf einen Guinness-Weltrekord würde den aktuellen Rekord, der bei 123 Tagen liegt, um 43 Tage unterbieten, wobei mehr als 380 km pro Tag zurückgelegt werden müssen. Als Übungsfahrt bin ich im April etwa 5300 km an der Küste Großbritanniens entlang gefahren. Dadurch sind ich und mein Support-Team zuversichtlich, dass wir diese strapaziösen 80 Tage durchstehen werden. Die Planung für dieses Projekt dauerte drei Jahre, und mein Support-Team hat unglaublich viel recherchiert und geplant, damit ich mein Ziel erreichen kann. Ich muss einfach nur 16 Stunden pro Tag Rad fahren, jeden Tag!

2. Sie haben 2008 den Weltrekord der etwa 29.000 km langen Weltumrundung gebrochen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Und was veranlasst Sie dazu, so etwas erneut zu versuchen?

Mark Beaumont unterwegs auf seiner Fahrradtour durch Großbritannien © Mark Beaumont/Muckle Media

Ich hatte geplant, ein halbes Jahr lang allein und ohne Hilfe etwa 160 km pro Tag zu fahren, wobei einmal alle zwei Wochen ein Tag für Flüge und ungeplante Ereignisse vorgesehen war. Mit dieser Geschwindigkeit bin ich in 194 Tagen und 17 Stunden um die Welt gefahren. Das waren 82 Tage unter der damals aktuellen Bestzeit. Mit Man Who Cycled the World machte die BBC eine Dokumentation und ein Buch daraus, die meiner Karriere Auftrieb gaben. Es war ziemlich schwer, die Tour zu planen, da ich damals keine Aufzeichnungen über frühere Fahrten hatte und mich niemand kannte. Der schwierigste Teil war, das Projekt überhaupt zu starten, also Sponsoren zu finden, die Medien an Bord zu holen und zu versuchen, einen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Zehn Jahre später habe ich deutlich mehr Erfahrung, bin ein trainierterer Radfahrer und starte mit einem großen Support-Team. Ich werde also viel größere Strecken zurücklegen können. Die Weltumrundung ist die größte Herausforderung für Ausdauerradsportler, so wie auch beim Segeln. Darum habe ich die letzten drei Jahre daraufhin trainiert.

3. Sind Sie bereit für den Artemis World Cycle und Ihren 80-Tage-Plan?

Eine kurze Pause auf Mark Beaumonts Fahrradtour durch Großbritannien © Mark Beaumont/Muckle Media

Ich weiß, worauf ich mich da eingelassen habe! Ich bin vor 10 Jahren schon um die Welt gefahren, aber damals ohne Support-Team. Ich war immer auf der Suche nach Wasser, meiner nächsten Mahlzeit und musste irgendwo zelten. Dieses Mal steht mir ein komplettes Team zur Verfügung, das heißt, dass ich ein Support-Fahrzeug und ein Medienfahrzeug habe, und mich vollständig aufs Fahren konzentrieren kann. Als Sportler ist es aufregend, die Chance zu haben, körperlich und geistig meine Grenzen auszutesten und herauszufinden, was möglich ist, ohne die zeitlichen Einschränkungen durch „Jäger und Sammler“-Abenteuer und das Filmen meiner eigenen Dokumentation. In 80 Tagen um die Welt zu fahren bedeutet 75 Tage gut 380 km pro Tag fahren, 3 Tage für Flüge und 2 Tage für ungeplante Ereignisse. Bei der Around Britain konnten wir die 80 Tage einhalten, aber ohne Flugzeiten. Dieses Tempo wäre immer noch ein phänomenaler Erfolg, aber mein Traum ist es, noch irgendwo Zeit rauszuholen, um es in 80 Tagen inklusive Flug zu schaffen.

Ich mache mir keine Illusionen über die Intensität dieses Vorhabens. Around Britain war knallhart, aber jeder hat sich der Herausforderung gestellt, und hinter mir steht ein engagiertes Team.

4. Was wird die größte Herausforderung sein?

Mark Beaumont auf seiner Fahrradtour durch Großbritannien © Mark Beaumont/Muckle Media

Körperlich ist es ein Schritt ins Ungewisse. Ich bin noch nie mehr als etwa 320 km pro Tag über 2 Monate hinweg gefahren. Ich denke es wird all meine geistige Stärke und Erfahrung brauchen, die ich in den letzten 20 Jahren Radfahren gesammelt habe. Von der logistischen Seite her benötigen wir ein vollständiges Support-Team auf der ganzen Welt, das durch für mich unbekannte Teile der Welt wie die Mongolei, Russland und China reist. Es stehen also viele Herausforderungen bevor!

5. Was werden Sie auf der Fahrt essen?

Mark Beaumont bei Around Britain © Mark Beaumont/Muckle Media

Mein Ernährungsspezialist stellt mir eine ausgewogene Ernährung mit etwa 8000 kcal pro Tag zusammen. Wenn ich so intensiv Rad fahre, erhöht sich mein Kalorienverbrauch aus Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß deutlich. Ruth McKean (Ernährungswissenschaftlerin) und Laura Penhaul (Performance Managerin) arbeiten einen Plan aus, mit dem wir die Nährwertaufnahme sowie meinen Gesundheitszustand und meine Leistung auf der gesamten Strecke optimieren können.

Jede Mahlzeit wird etwa 30 bis 40 g Eiweiß enthalten. Das entspricht etwa vier bis sechs Eiern. Eiweiß ist unerlässlich für den Aufbau und die Regeneration von Muskeln, während Fett und Kohlenhydrate Energie liefern. Da ich jeden Morgen um 4 Uhr losfahre, ist es noch zu früh für ein ganzes Frühstück. Darum beginne ich den Tag mit einem leichten Snack, der Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett enthält. Vielleicht Joghurt mit Obst und Honig. Das ist ausreichend, um mir einen guten Start zu verschaffen. Nach etwa einer Stunde Fahrt nehme ich einen weiteren Snack zu mir, wenn mein Kreislauf in Schwung gekommen ist. Bei der ersten Pause nach 4 Stunden gibt es dann ein richtiges Frühstück.

Das Team wird jeden Abend unterwegs zusammen essen. Die Mahlzeiten haben wir schon vorher festgelegt. Es wird immer einen Kohlenhydratlieferant geben, entweder Nudeln, Reis oder Quinoa. Ausreichend Eiweiß und Fett dazu ergeben eine nährstoffreiche Mahlzeit. Auf dem Speiseplan werden zum Beispiel marokkanisches Lamm und Spaghetti Bolognese stehen! Es ist wichtig, sich relativ natürlich und ausgewogen zu ernähren, weil man 80 Tage lang nicht von Gels und Energieriegeln leben kann!

6. Kann man Sie während der Fahrt sehen?

Meine Fahrt kann man auf www.artemisworldcycle.com verfolgen. Dort gibt es einen Live-Tracker, damit man immer über meinen Fortschritt auf dem Laufenden ist. Man kann mir auch auf Facebook, Twitter und Instagram folgen: @MrMarkBeaumont

7. Wo in Schottland sind Sie aufgewachsen?

The Linn of Tummel, Perthshire. Von dort aus kann man einen wunderschönen Waldrundgang machen

Meine ersten Erinnerungen sind an einen Bauernhof auf der Halbinsel Argyll mit Blick auf die Insel Gigha, wo mein Vater als Milchmann arbeitete. Aber als ich noch klein war, zogen wir ins ländliche Perthshire, wo ich auf einem Bauernhof in der Nähe von Bridge of Cally aufwuchs. Dort war alles nur wundervolle, unberührte Natur, umgeben von Hügeln und Wäldern.

8. Woran erinnern Sie sich am liebsten, wenn Sie an Ihre Kindheit in Schottland denken?

Ich wurde während der Grundschulzeit zuhause unterrichtet, daher erinnere ich mich am liebsten an Abenteuer im Freien. Die meiste Zeit habe ich auf dem Bauernhof gearbeitet, bin geritten, ging klettern, Ski fahren und natürlich Rad fahren. Die weiterführende Schule, auf die ich später kam, lag näher am Skigebiet in Glenshee als an der Schule, und mein Nachbar war der Chef der Ski-Sicherheitstruppe. An besonders verschneiten Tagen, und wenn ich meine Hausaufgaben gemacht hatte, durfte ich nach Norden fahren (nicht nach Süden, wie alle anderen)! Diese Tage verbrachte ich oft allein mit der Erkundung von Bergen. Zu jener Zeit nahm meine Abenteuerliebe ihren Lauf.

9. Welcher ist Ihr Lieblingsort in Schottland?

Lady Mary’s Walk am Fluss Earn in Crieff

Ich bin natürlich voreingenommen und liebe meine Heimat Perthshire am meisten. Jetzt lebe ich in Crieff an der Highland-Grenze, die sich von Arran nach Stonehaven zieht. Alles im Norden sind also die Highlands, und alles im Süden die Lowlands. Das macht diesen Ort zum perfekten Ausgangspunkt für Abenteuer. Außerhalb von Perthshire zieht es mich immer zur Westküste, vor allem nach Argyll & The Isles. Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, diese Gegend zu filmen und zu erkunden, und verstehe, wieso sie als Schottlands Abenteuerküste berühmt ist.

Marks Abenteuer Wild About Argyll ansehen:

 

10. Wo kann man in Schottland am besten Rad fahren?

Die Straße nach Kinlochewe an der North Coast 500, mit dem Loch Maree dahinter

Ich war zuvor die North Coast 500 um Caithness und Sutherland entlang gefahren und habe auf dem Weg den Bealach na Bà mitgenommen, oft als eine der besten Bergauf-Touren für Fahrradfahrer in Großbritannien bezeichnet. Die gesamte Westküste mit Torridon, Ullapool und Lochinver ist absolut atemberaubend. Noch weiter draußen direkt am Atlantikufer liegt der Hebridean Way, den ich ebenfalls sehr mag. Er verläuft über die 10 Inseln der Äußeren Hebriden.

Haben Sie Lust aufs Radfahren bekommen? Erfahren Sie mehr über Radfahren in Schottland und planen Sie Ihr eigenes Abenteuer.