
Standing at the John o'Groats signpost
Brieuc Botte
Ein Abenteuer in Caithness & Sutherland
Erfahren Sie alles über das aufregende Solo-Abenteuer, das unser Autor Brieuc in Caithness & Sutherland erlebt hat.
Die Zugfahrt nach Thurso
Voller Neugier auf die Geschichten und Besonderheiten der Region begann ich meine Reise von Edinburgh in Richtung Norden. Der erste Teil meiner Zugfahrt führte mich durch die goldenen Wälder von Perthshire, Aviemore und die Berge am westlichen Rand der Cairngorms, bevor wir Inverness erreichten, einst die schottische Hauptstadt und heute der Verkehrsknotenpunkt der Highlands. Nach einem schnellen Mittagessen am Bahnhof und einem Abstecher zum berühmten Leakey’s Bookshop in der Nähe (wirklich einen Besuch wert, wenn Sie die Gelegenheit haben!), nahm ich den Zug der Far North Line, der mich nach Thurso bringen sollte, die nördlichste Stadt auf dem schottischen Festland.

Thurso
© Brieuc Botte
Die Zugfahrt, die etwa vier Stunde dauerte, kam mir viel kürzer vor. Ich konnte mich kaum von der Aussicht losreißen, als wir an Hügeln voller Heide vorbei die Küste von Sutherland entlangfuhren, hinauf zum Fischerort Helmsdale. Dort begann der Zug seine Fahrt durch die Ebenen und Moore des Flow Country im Landesinneren. Ich war überrascht, an wie vielen Orten der Zug anhielt. Für eine so spärlich besiedelte Region ist die Verkehrsanbindung erstaunlich gut.
Eine Fahrt mit dem Zug ist außerdem eine großartige Gelegenheit, einen Gang herunterzuschalten und diesen Teil von Schottland richtig zu genießen. Es ist auch ein echtes Schnäppchen für Wanderer und Camper, die hier für den Start und das Ziel ihrer Wanderungen aus zahlreichen Orten wählen können. Mein erster Blick auf das Flow Country war wirklich unglaublich. Der Anblick der goldfarbenen Marschen, gesprenkelt mit kleinen Seen und einsamen Hügeln, machte mir klar, dass ich auf dem Weg in einen einzigartigen Teil Schottlands war. Wir erreichten Thurso am frühen Abend und es bot sich mir ein herrlicher Blick auf die Stadt im Sonnenuntergang – ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Ich erhaschte einen Blick auf den Kirchturm in der Ferne und ging, gedanklich schon beim nächsten Tag, in mein Hotel.
Ein Tag in Thurso
Am nächsten Morgen machte ich mich früh auf den Weg, um die Straßen von Thurso zu erkunden. Ich entschied mich dafür, der Straße am Bahnhof zu folgen, und schon bald sah ich malerische Gebäude, einen Park und eine Fußgängerzone mit Geschäften. Ich ging zum Hafen hinunter, schaute kurz bei Old St Peter’s Church vorbei und kurz darauf erstreckte sich die schottische Nordküste im Sonnenschein und einer herbstlichen Brise vor meinen Augen.
Dank der guten Sicht konnte ich die dramatischen Klippen rund um die Stadt gut sehen. Ich spazierte auf der Promenade am Sandstrand entlang und ließ meinen Blick über die Küste schweifen. Nur wenige Hundert Meter zu meiner Linken lag der Hafen von Scrabster, dessen Fähren Passagiere über den Pentland Firth nach Orkney transportieren. Ich konnte kaum glauben, wie nah ich den Orkney-Inseln war: Nur ein kurzer Blick zur Seite und ich konnte die hohen Klippen von Hoy ganz deutlich im Sonnenschein glitzern sehen. Etwas weiter rechts hatte ich einen fantastischen Blick auf Dunnet Head, den nördlichsten Punkt des schottischen Festlands und ein Vogelschutzgebiet.

Dunnet Head, Thurso
© Brieuc Botte
Auf dem Weg zurück in den Ort folgte ich dem Riverside Walk am Thurso River, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Es ist eine einfache Strecke mit wunderschönen Aussichten, gesäumt von Bäumen mit gold- und orangefarbenen Blättern. Nach meinem belebenden Spaziergang machte ich mich auf den Weg zurück in den Ort, um mehr über die Kultur und die Menschen dieser Region zu erfahren. Caithness und Sutherland stecken voller kleiner, bezaubernder Museen und ich wollte unbedingt mehr über die einmaligen Geschichten der Umgebung erfahren. Das North Coast Visitor Centre befindet sich mitten im Ort im äußerlich sehr beeindruckenden ehemaligen Rathaus, doch das war nichts gegen das, was mich drinnen erwartete!
Das Museum erstreckt sich über drei Stockwerke. Im Erdgeschoss sind faszinierende piktische Steine und Objekte mit Wikingerrunen zu sehen, perfekt für alle, die sich für die Geschichte der Region interessieren. Im ersten Stock gibt es ein Café und eine Galerie mit Werken lokaler Künstler. Im zweiten Stock warten ausführliche Ausstellungen zur Geschichte der Region, von den jungsteinzeitlichen Ursprüngen bis hin zur Fischerei, der Flora und Fauna und nuklearen Experimenten, sowie ein Kino, in dem ein Film über Caithness in Dauerschleife läuft.

Das North Coast Visitor Centre, Thurso
© Brieuc Botte
Das Highlight des Besuchs war zweifellos die interaktive Ausstellung zum Flow Country, die mir zeigte, wie bedeutsam dieses Naturschutzgebiet für seine einzigartigen und empfindlichen Ökosysteme, aber auch für den Kampf gegen den Klimawandel ist. Oben im Kino setzte ich mich hin und sah mir einen Film an, der mir alles Wissenswerte über Caithness, das Flow Country und seine Bedeutung für Schottland erzählte. Nachdem ich dieses Gebiet erst am vorigen Tag selbst durchquert hatte, vermittelte mir dieses eindringliche Erlebnis das Gefühl, als wüsste ich mehr über das Flow Country, als wenn ich tatsächlich hindurchgewandert wäre.
Nach einem schnellen Mittagessen im Café des Besucherzentrums folgte ich der A9 an der Küste entlang und am Hafen von Scrabster vorbei zur Wolfburn Distillery, der zweitnördlichsten Destillerie auf dem schottischen Festland. Sie ist nach dem Wolf Burn benannt, dem kleinen Bach, der direkt an ihr vorbeifließt, unweit der ersten Wolfburn Distillery, die vor mehr als 200 Jahren dort gegründet wurde. Über 90 Minuten erklärte unser erfahrener Tourguide Charlie uns die Funktionsweise dieser unabhängigen Destillerie, bevor er uns in eines der Lagerhäuser führte. Die Führung endete mit einer Verkostung der feinsten Whiskys der Destillerie, begleitet von umfangreichen Erklärungen (und einem kostenlosen dram zum Mitnehmen für zu Hause!).

Die Wolfburn Distillery, Thurso
© Brieuc Botte
Ich hatte den Eindruck, dass es in und um Thurso und das Flow Country noch so viel mehr zu sehen und zu entdecken gab. Mit solch eindrucksvollen Landschaften, freundlichen Menschen und einer reichen Geschichte würde ich bestimmt bald für einen weiteren Besuch zurückkehren. Zum Glück wusste ich, dass ich mich auf eine weitere schöne Zugreise durch das Flow Country freuen konnte, vor allem, da ich jetzt so viel mehr über die Bedeutung dieser Landschaft für Schottland wusste.
Das Flow Country ist seit 2024 außerdem eine UNESCO-Welterbestätte und es ist offensichtlich, warum. Sie können Touren durch diese einzigartige Landschaft buchen, um mehr über die Region zu erfahren und einige der besonderen Tiere zu sehen, die hier leben. Während der Zug weiter in Richtung Inverness fuhr, genoss ich die Aussicht auf das weite Flow Country im Sonnenuntergang.

Das Forsinard Flows National Nature Reserve, Caithness
© wild.devs
Von Inverness nach John O'Groats
Mein Trip in die nördlichen Highlands war aber noch nicht zu Ende! Ich hatte die unwiderstehliche Gelegenheit, bei einer Tour mit Timberbush noch mehr von der Ostküste und den nördlichen Ausläufern des schottischen Festlands zu erkunden. Mit fünf weiteren neugierigen Reisenden traf ich mich direkt hinter dem Bahnhof von Inverness mit unserem Tourguide Richard. Da ich das Glück habe, in Schottland zu leben, war dies meine erste geführte Tour in Schottland und ich muss sagen, dass ich mir keinen besseren Guide hätte wünschen können! Richard, ein weit gereister Schotte aus den Lowlands von Dumfries & Galloway, war humorvoll und steckte voller Wissen über jedes einzelne Dorf und Bauwerk, an dem wir vorbeikamen. Einige Male stellte ich sein Wissen auf die Probe und er beeindruckte mich mit seinen umfassenden Kenntnissen und der Leidenschaft, mit der er seine Geschichten erzählte. Unser Ziel war John O'Groats, die nördlichste Spitze des britischen Festlands. Wir machten jedoch einige Stopps, um das zu erleben, was Caithness und Sutherland zu bieten haben, bevor wir dort ankamen …
Zuerst hielten wir im malerischen Dorf Dornoch, wo ich umherschlenderte und für einen Kaffee und Scones bei Milk & Honey anhielt. Wir reisten dann weiter noch Golspie, wo es mit Blick auf das Monument auf dem Gipfel von Ben Bhraggie eine Geschichtsstunde von Richard über die Dukes of Sutherland und ihre berüchtigten Verbindungen zu den Highland Clearances gab. Von dort war es nur ein kurzer Weg zu einem der Highlights unserer Fahrt: Dunrobin Castle, Sitz der Dukes of Sutherland. Es ist ein fast unglaublich magischer Ort, das prachtvolle Märchenschloss direkt am Meer. In den formalen Gärten im französischen Stil konnte ich eine großartige Falknereivorführung erleben, bevor ich die zahlreichen Räume des Schlosses erkundete, die alle mit mehrsprachigen Informationstafeln ausgestattet waren.
Wir machen uns dann weiter auf den Weg nach Wick und John O'Groats, mit kleinen Pausen, um aus der Nähe einen Blick auf einige Hochlandrinder zu werfen und die Aussicht vom Hafen von Dunbeath zu genießen.

Dunrobin Castle & Gardens, Golspie
© Brieuc Botte
John O'Groats ist ein ziemlich besonderer Ort. Er befindet sich an der nordöstlichen Spitze des schottischen Festlands und mich überkam das Gefühl, am äußersten Rand von etwas zu sein. Dieses Gefühl verstärkte sich noch, als Richard uns die Klippen hinaufführte, um die wirklich beeindruckenden Brandungspfeiler von Duncansby Head zu sehen. Nach einem sehr leckeren Eis von Flavours in John O'Groats machten wir uns auf den Rückweg.
Mit meinem Studium der altnordische Sprache im Hinterkopf und Richards Einblicken begann ich, mir diese Landschaft, durch die einst die Wikinger streiften, mithilfe der nordischen Ortsnamen in der Region zu erschließen: Wick (vom Altnordischen vík, „Bucht“), Thurso (vom Altnordischen Thorsá, „Thors Fluss“), Dingwall (vom Altnordischen Þingvöllr, „Versammlungsplatz“) oder sogar das einzigartige Flow Country, das seinem Namen vom altnordischen Wort flói hat, was so viel wie „nasses, sumpfiges Moor“ bedeutet.

Unser Autor in John o' Groats
© Brieuc Botte
Während wir von John O'Groats aus an der Küste entlang zurückfuhren, unterhielt ich mich etwas mehr mit Richard über seine Rolle als Tourguide. Ich war neugierig, was diesen Teil von Schottland für ihn so besonders machte, nachdem er so viele Jahre Touren auf der ganzen Welt organisiert hatte. Er erzählte mir, dass es eine Mischung aus dem Kulturerbe, dem Charakter und natürlich den Menschen sei. „Das findet man so sonst nirgendwo,“ fügte er nach einer Denkpause hinzu. Er erzählte mir von den Clans, den Fehden, der Geschichte, die bis heute zu sehen ist. „Auf gewisse Weise hat es geprägt, wer wir heute sind.“ Direkt vor unserer Abfahrt nach Inverness fügte er hinzu: „Ich bin sehr froh, in diesem Teil der Welt zu leben.“
Ich weiß nicht, ob es die herrliche Aussicht auf die Duncansby Stacks, die traditionelle Folkmusik im Tourbus oder die Authentizität in Richards Stimme war – vermutlich war es alles zusammen – aber als ich sah, wie vor uns die Sonne über der mit Burgen übersäten Küste von Sutherland in diesem faszinierenden Teil der Highlands unterging, war ich wirklich glücklich, Teil dieses Abenteuers im Norden von Schottland gewesen zu sein.
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