Schottischer Tartan & Kilts
Vielleicht glauben Sie, Sie wissen alles über Tartan, aber seine Geschichte ist so komplex wie der Stoff selbst.
Tauchen Sie ein in die Welt von Tartan und Kilts
Was ist Tartan?
- Ein gewobener Stoff aus horizontalen und vertikalen Streifen in verschiedenen Farben auf einem bunten Hintergrund.
- Die miteinander verwobenen Streifen heißen sett.
- Ursprünglich benutzten Clan-Mitglieder Pflanzen, Moose und Beeren aus der Region, um die Wolle für ihre Tracht zu färben.
- Es gibt mehr als 7.000 registrierte Tartan-Muster – sogar die Obamas und Hello Kitty haben einen eigenen Tartan!
Was ist ein Kilt?
Ein Kilt, auch als Schottenrock bekannt, ist ein Stück Tartan, das um die Hüfte getragen wird. Im Gälischen ist er als fèileadh mòr bekannt (ausgesprochen wie fe-liach mor), was „großer Kilt“ bedeutet. Für einen „richtigen“ Kilt dürfen die folgenden Gegenstände nicht fehlen:
- Ein Sporran: Eine kleine Tasche, die um die Hüfte und über dem Kilt getragen wird. Sporran ist das gälische Wort für eine Geldbörse.
- Ein Kilt-Pin: Er beschwert den vorderen Teil des Kilts.
- Ein sgian-dubh (ausgesprochen wie skie-an du): Ein kleiner Dolch, der in einem der Strümpfe steckt.
Die Highland-Tracht der Atholl Highlanders
© VisitScotland / Paul Tomkins
Die Geschichte von Tartan
Woher stammt Tartan?
Trotz seiner engen Verbindung zu Schottland wurden die ältesten Spuren von Tartan in China gefunden. Sie datieren bis in die Zeit um 3.000 v. Chr. zurück. Der Stoff ist jedoch auch in Schottland fest verwurzelt und hier seit dem 3. oder 4. Jahrhundert bekannt. Seitdem nutzen wir Tartan für Kilts, Dudelsäcke, Rebellionen und modische Statements.
Die Jakobitenaufstände
Ein paar Jahrhunderte später explodierte die Beliebtheit von Tartan. Stellen Sie sich das romantische Bild eines Highlanders vor, der von Kopf bis Fuß in Tartan gekleidet durch die herrlichen schottischen Landschaften streift. Dies entspricht jedoch nicht ganz der Realität, denn die enge Verbindung von schottischen Clans und ihren individuellen Clantartans war keine althergebrachte Tradition, sondern das Ergebnis cleverer Propaganda der Jakobiten, die im Laufe der Zeit zu den Mythen und Legenden, die sich um den Stoff ranken, beitrugen.
Bonnie Prince Charlie, der Anführer des zweiten Jakobitenaufstands, kam 1745 komplett in Tartan gekleidet in Schottland an. Er nutzte die Tartan-Mode dazu, die Stärke der schottischen Clans zu vereinen, um für ihn um den Thron zu kämpfen. Auch wenn die Jakobitenaufstände letztendlich nicht von Erfolg gekrönt waren, war Tartan zu diesem Zeitpunkt bereits so eng mit der schottischen Identität und Rebellion verknüpft, dass er nach der schottischen Niederlage in der Schlacht von Culloden im Jahr 1746 von der britischen Regierung verboten wurde.
Erfahren Sie mehr über die Jakobitenaufstände
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Tartan erklärt in (ungefähr) zwei Minuten
Tartan, Clans und die Wiederentdeckung
Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Beliebtheit von Tartan mithilfe von Sir Walter Scott wiederbelebt. 1822 besuchte König Georg IV. die Stadt Edinburgh und Sir Walter hatte den Plan, dass die Clanchefs bei der Begrüßung des Königs ihre Clanfarben und die volle Highland-Tracht tragen sollten. Diese großartige Idee hatte nur einen Haken, denn die meisten Clanchefs wussten gar nicht, dass sie einen eigenen Clantartan haben sollten. Die Clanchefs waren dieser Herausforderung aber mehr als gewachsen und reichten ihre „offiziellen“ Clantartans ein, was schließlich die Verbindung zwischen Clans und Tartans in der Geschichte zementierte.
König Georg war von dem Stoff so begeistert, dass er ein Porträt von sich als Stuart-Prinz in voller Highland-Montur mit Tartan und allem Drum und Dran anfertigen ließ. Diese Faszination gab er an Königin Victoria, seine Nichte, weiter, die Tartan zu dem modischen Statement machte, das er bis heute ist.
Ein Porträt von Bonnie Prince Charlie
© Scottish National Portrait Gallery
Tartan heute
Tartan ist kein historisches Relikt, denn bis heute spielt er in Schottland und weltweit eine modische Rolle.
Der Stoff war schon immer an vorderster Front der Moderne: Das erste Farbfoto der Welt zeigte ein Tartanband und Tartan war auch schon auf dem Mond! Auch von den Modenschauen der Welt und aus britischen Schuluniformen ist Tartan nicht mehr wegzudenken. In jüngster Zeit haben einige der bekanntesten Modedesigner diesen Stoff mit seinen auffälligen Farben und einer historischen Verbindung zu Rebellionen verwendet, von Chanel und Dior bis hin zu Vivienne Westwood und Alexander McQueen.
Sein ungewöhnliches Talent, Traditionen zu untermauern oder zu untergraben – manchmal sogar beides gleichzeitig – machen Tartan zu einer beliebten Wahl für verschiedene Gruppen und Zwecke, die über den Stoff ihre Werte und ihr soziales Gewissen ausdrücken. Er hat der LGBT+-Community eine gemeinsame Identität verliehen, ein Tartan wurde speziell für den Klimagipfel COP26 in Glasgow entworfen und eine Stiftung nutzt den markanten Stoff, um zu Ehren des legendären schottischen Rugbyspielers Doddie Weir auf Motoneuron-Erkrankungen aufmerksam zu machen. Es gibt sogar einen Obdachlosen-Tartan, von dessen Erlös 20 % an die Wohltätigkeitsorganisation Shelter Scotland gehen.
Tartan ist ein unglaublich vielseitiger, verspielter und komplexer Stoff für alle.
Die Swilcan Bridge auf dem Old Course, St Andrews
Erleben Sie Kilts und Tartan in Schottland
Auf Ihrer Reise durch Schottland haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, mehr über Tartan erfahren und sogar ein Stück davon als Souvenir mit nach Hause zu nehmen.
Das V&A Dundee: Im einzigen Designmuseum Schottlands gibt es eine Vielzahl von Ausstellungen und Präsentationen, darunter eine Sonderausstellung zum Thema Tartan.
Lochcarron of Scotland, Scottish Borders: Besuchen Sie diese Weberei in Selkirk und entdecken Sie eine große Auswahl an Tartan-Mustern und Designerstoffen, die für Kilts genutzt werden und auch auf den Laufstegen der Welt zum Einsatz kommen. Stöbern Sie durch Hunderte Muster, um Ihren perfekten Tartan zu finden.
Die Edinburgh Tartan Weaving Mill: Besuchen Sie die einzige Weberei in Edinburgh, die noch in Betrieb ist, und sehen Sie den Webern bei der Herstellung dieses legendären Stoffs zu.
Kinloch Anderson, Edinburgh: Finden Sie Sie Kleidung, Accessoires und Geschenke und stöbern Sie in einer großen Auswahl an bunten Stoff- und Tartanmustern.
Harris Tweed Scotland, Äußere Hebriden: Dieser berühmte Stoff ist leicht zu erkennen und stammt ursprünglich von den Äußeren Hebriden. Heute wird er in über 50 Länder exportiert und für eine Vielzahl von Taschen, Kopfbedeckungen und Accessoires verwendet.
Auld Alliance Kiltmakers, Edinburgh: Lernen Sie einen Kiltmacher kennen und entdecken Sie bei spannenden Vorträgen und Workshops nicht nur die Welt des Tartans, sondern auch die schottische Geschichte.
Cheddar Gorgeous in einem Anzug von Liquorice Black, 2017
© V&A Dundee, Cheddar Gorgeous